dazwischen
Ich sehe in den Rückspiegel. Ein Wagen klebt an meiner Stoß- stange. Ich sehe auf den Tacho: 80 km/h. Entgegenkommende Fahrzeuge rauschen vorbei. Bedrohlich fühlt sich das an. Hinter mir hat sich eine Schlange gebildet. Von vorne fliegen sie im Sekundentakt daher. Ein kurzes Zeitfenster unterbricht den Strom. Das nutzt man von hinten zum Überholen. Die Linie ist der kürzeste Weg von A nach B. Ein Zwischenraum. Die Tangente führt am Körper vorbei. Immerhin mit der Möglichkeit zum Absprung.
Ich verstehe. Kein Ort für Betrachtungen.
Die B9, die A4 und die B10 verbinden Wien mit Bratislava. Seit einem Jahr zwei EU-Hauptstädte. Bundesstraße und Autobahn verlaufen in einer Region, die als Transitraum wahrgenommen wird.
Transiträume sind gekennzeichnet durch örtliche, zeitliche und soziale Bezugslosigkeit. Bundesstraße und Autobahn werden in erster Linie von „Passagieren“ frequentiert. Anders als „ Reisende“ sind „Passagiere“ ausschließlich am Zielort interessiert. Immer schnellere und komfortablere Transportsysteme verhindern die Begegnung mit dem Unerwarteten.
In meiner Arbeit versuche ich diesen Fluss zu unterbrechen. Halt zu machen, um das Verborgene zu entdecken und mit dem Offen- sichtlichen zu vergleichen. Auf der Suche nach Orten am Nicht-Ort.
2004-2005